Dual Commitment
Current examples of public art projects in the USA and in Austria
Symposium
1) Eckdaten
Zeit und Ort:
15. und 16. Juli 2005, 17.00 – 22.00 Uhr
RadioKulturhaus Wien, (http://radiokulturhaus.orf.at/)
19. und 20. Juli 2005, 9.00 – 11.30 Open Session und 19.30 – 22.00 Uhr
Künstlerhaus Salzburg (www.salzburger-kunstverein.at)
Symposiumssprache ist Englisch. Freier Eintritt.
dualcommitment.net
Das international besetzte Symposium „Dual Commitment“ stellt aktuelle Beispiele öffentlicher Kunstpraxis in den USA und in Österreich vor. Im Mittelpunkt stehen Projekte, denen es gelingt, auf zwei Ebenen zu kommunizieren: mit den jeweiligen – meist kunstfernen – Zielgruppen und mit dem Kunstfeld. Für diesen Anspruch verwenden wir den titelgebenden Ausdruck „Dual Commitment“. Modelle des Agierens werden vorgestellt, Taktiken und Methoden verglichen, Bewertungsmaßstäbe angedacht. Ziel des Symposiums ist eine Verstärkung des internationalen Austausches und ein praxisorientiertes Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten anhand der vorgestellten Projekte.
Nicht zuletzt werden die unterschiedlichen sozioökonomischen und kulturellen Bedingungen in den USA und in Österreich ins Blickfeld gerückt. So soll im Rahmen des Symposiums „Dual Commitment“ über die kunstimmanenten Fragen hinaus ein lebendiges Bild sozialer Realitäten unserer Gegenwart entstehen.
Für Konzept, Organisation und Präsentation verantwortlich sind Beatrix Zobl und Wolfgang Schneider. Die beiden in Wien lebenden KünstlerInnen führen seit vielen Jahren Kunstprojekte im öffentlichen / sozialen Raum durch und konnten 2004 während eines halbjährigen Stipendiums in Chicago ihre Kontakte zu KünstlerInnen, TheoretikerInnen und KuratorInnen aus den USA ausdehnen und vertiefen. Gemeinsam mit anerkannten ExpertInnen aus Österreich werden die Gäste aus den USA Einblicke in die aktuelle Praxis und den aktuellen Diskurs von Kunst im öffentlichen / sozialen Raum ermöglichen.
Beatrix Zobl und Wolfgang Schneider führen seit dem Jahr 2000 das Kunstprojekt „Die Legende vom Künstler“ durch, in dem mittels Dialogischer Interventionen, Installationen, Performances, Video, Foto, Text und Vorträgen das Bild und die Rolle von KünstlerInnen in unserer Gesellschaft im Mittelpunkt stehen.
Zielpublikum:
Alle Personen mit Interesse an „Kunst im öffentlichen / sozialen Raum“, KünstlerInnen, WissenschafterInnen, TheoretikerInnen, KuratorInnen
Wir möchten Modelle von künstlerischen und kuratorischen Praxen vorstellen, die Kunst in ein konkretes soziales Umfeld einbetten und die „Kunst machen“ mit anderen (politischen, gesellschaftlichen) Anliegen verbinden. Das Symposium bietet die Möglichkeit „Insights“ über die spezifischen Bedingungen solcher Kunstpraxen und Arbeitsweisen zu erfahren.
USA-Interessierte
Die Kontextbezogenheit der Kunstpraxen, die wir vorstellen möchten, bedingt eine gute Kenntnis der politischen / wirtschaftlichen / sozialen Situation eines Umfelds. Das Symposium berichtet nicht zuletzt in kompakter Form über weniger bekannte Aspekte des sozialen Alltags in den Vereinigten Staaten.
2) Programm
Tag 1: Freitag 15. Juli, 17.00 – 22.00 Uhr
Ort: RadioKulturhaus Wien
Host: Gabriele Zanetti, Vizedirektorin RadioKulturhaus
Chair: Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
Discussants: Monika Mokre, Politikwissenschaftlerin, Österr. Akad. d. Wissenschaften, Wien / Georg Schöllhammer, Kunsttheoretiker, Herausgeber der Kunstzeitschrift springerin, Wien
Thema: Artistic work and Marginal Areas
Der Freitag, 15. Juli steht unter dem Motto „Künstlerische Arbeit und soziale Brennpunkte“. Nicht erst die Kunst im öffentlichen / sozialen Raum wendete sich verstärkt den weniger beachteten Bereichen des modernen Lebens zu: Bereits Film und Fotografie machten seit ihrer Erfindung das Marginalisierte, Vergessene und scheinbar Unwichtige zu zentralen Themen künstlerischer Arbeit. Und bereits seit damals besteht auch die Kritik, die Kunst würde diese sozialen Brennpunkte mehr ausnützen als zu ihrer Verbesserung beitragen. Für Arbeiten wie Dawoud Bey’s Chicago Projekt geht es weniger darum, etwas zu verbessern, als darum, sich auf gleicher Ebene mit sozialen Wirklichkeiten, in diesem Fall der Welt von SchülerInnen aus dem benachteiligten Süden Chicagos, auseinanderzusetzen.
17.00 Einführung
Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
17.30 Ghetto Realness
Anette Baldauf, Soziologin, New School Univ., N.Y.; Webster Univ., Wien
18.00 Group Formation at Mess Hall: Marginal, in Relation to What?
Dan S. Wang, Künstler, Theoretiker, Mess Hall Keyholder, Chicago
18.45 Pause
19.15 Is There Any Difference Between Art and Politics?
Wolfgang Zinggl, Künstler, Politiker, Wien
19.45 Negotiating Space: Dawoud Bey’s Chicago Project
Stephanie Smith, Kuratorin, The David and Alfred Smart Museum of Art, Chicago
20.30 Pause
20.45 Plenum
Tag 2: Samstag, 16. Juli, 17.00 – 22.00 Uhr
Ort: RadioKulturhaus Wien
Host: Gabriele Zanetti, Vizedirektorin RadioKulturhaus
Chair: Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
Discussants: Anette Baldauf, Soziologin, New School Univ., N.Y.; Webster Univ., Wien /
Elisabeth Mayerhofer, Kulturtheoretikerin, Erasmus Univ., Rotterdam; Fokus, Wien
Thema: Site Specificity and Global Context
Am Samstag, 16. Juli wird das Thema „Ortsbezug und globalen Kontext“ behandelt. Site Specificity meint den spezifischen Ortsbezug von Kunst, wenn also eine künstlerische Arbeit nur an einem bestimmten Ort „funktioniert“. Diese Beschreibung trifft auch auf Projekte wie Soho in Ottakring oder die Arbeit des Coleman Center in York, Alabama zu. Wird der Kunstanspruch erhoben, kommt zu diesem „lokalen Commitment“ aber immer auch der Wunsch dazu, im (nicht bloß lokalen) Kunstfeld Relevantes zu leisten. Es ist also unter anderem der Kunstanspruch, der eine Beziehung zum globalen Kontext erfordert. Die Verbindungslinien und Möglichkeiten dieser weit gespannten Ansprüche werden von KünstlerInnen, WissenschafterInnen und KuratorInnen untersucht.
17.00 Einführung
Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
17.30 Put the Message in the Hands of the People and Move On
Amos Paul Kennedy, Jr., printer, York, Alabama
18.15 soho in ottakring: Working on Unlevel Ground
Ula Schneider, Künstlerin, Wien
19.00 Pause
19.30 Recreating Imbalance
Henriette Brouwers/John Malpede, performing artists, Amsterdam; L.A.
20.15 Dual Commitment and How to Evaluate Its Success
Monika Mokre, Politikwissenschaftlerin, Österr. Akademie d. Wissenschaften, Wien
20.45 Pause
21.00 Plenum
Tag 3: Dienstag, 19. Juli, 9.00 – 11.30 Uhr / 19.30 – 22.00 Uhr
Ort: Künstlerhaus Salzburg
Host: Hemma Schmutz, Leiterin des Salzburger Kunstvereins
Chair: Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
Discussant: Elisabeth Mayrhofer, Kulturtheoretikerin, Erasmus Univ., Rotterdam; Wien
Thema: But it is Art – The Role of the Institutions
Kann Kunst im öffentlichen / sozialen Raum in den institutionellen Kunstalltag integriert werden und sollte das überhaupt passieren? Die „klassischen“ Kunstinstitutionen wie Museen und Akademien bilden den begehrten Link für öffentliche Kunstpraxen zum Kunstkontext. Doch um die Rezeption nicht erst recht wieder auf das bürgerliche und studentische Kunstpublikum zu beschränken, bedeutet die Präsentation von Kunst im öffentlichen / sozialen Raum immer auch ein Überdenken der Rolle und Funktionen der Institutionen selbst. Auch für sie gilt der Anspruch des „Dual Commitment“.
Am Dienstag, 19. Juli werden drei Beispiele für eine solche kritische Praxis von Kunstinstitutionen vorgestellt: Das David and Alfred Smart Museum of Art in Chicago; das Coleman Center for Arts and Cultur inYork, Alabama; und die Universität für Angewandte Kunst in Wien, wo prozessuale Kunstpraxen in die Ausbildung der Studierenden integriert werden.
9.00 – 11.30 Open Session*
* * *
19.30 Introduction
Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
19.45 Critical Practice at the Smart Museum of Art, Univ. of Chicago
Stephanie Smith, Kuratorin, The David and Alfred Smart Museum of Art, Chicago
20.30 The Coleman Center and How it is Transforming the Town
Amos Paul Kennedy, Jr., Printer, York, Alabama
21.00 Pause
21.15 Exploring Systems
Barbara Putz-Plecko, Künstlerin und Pädagogin, Univ. für Angewandte Kunst, Wien
21.45 Plenum
Tag 4: Mittwoch, 20. Juli, 9.00 – 11.30 Uhr / 19.30 – 22.00 Uhr
Ort: Künstlerhaus Salzburg
Host: Hemma Schmutz, Leiterin des Salzburger Kunstvereins
Chair: Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
Discussant: Elisabeth Mayrhofer, Kulturtheoretikerin, Erasmus Univ., Rotterdam; Wien
Thema: Participation and the Role of the Artist
Unter Partizipation wird meist die Einbindung und Beteiligung von kunstfernen Personengruppen in künstlerische Prozesse verstanden. Am Mittwoch, 20. Juli geht es aber auch um eine grundsätzliche gesellschaftspolitische Motivation, die mit dem Anspruch der „doppelten Kommunikation“ einhergeht, um die Partizipation möglichst breiter gesellschaftlicher Gruppen am öffentlichen Leben.
Projekte wie „RFK in EKY“ von Henriette Brouwers und John Malpede spielen sich in unterprivilegierten, von Medienberichterstattung vernachlässigten, Gebieten ab. Der gesellschaftspolitische Anspruch dieser Arbeiten bedingt aber immer auch eine Reflexion der Rolle von KünstlerInnen selbst. Die historisch gewachsene Rolle der KünstlerInnen gehört zum Bereich einer Bildungselite. Sie müssen dadurch – gerade bei engagierter künstlerischer Arbeit – die oft stark ausgeprägte Hierarchie zu den AdressatInnen ihrer Projekte mitbedenken.
KünstlerInnen und TheoretikerInnen aus den USA und Österreich werden den Möglichkeiten und Grenzen politischer Wirksamkeit von partizipativen Kunstpraxen nachgehen.
9.00 – 11.30 Open Session*
* * *
19.30 Introduction
Beatrix Zobl, Wolfgang Schneider, KünstlerInnen, Wien
19.45 RFK in EKY; Putting a Historical Mirror up to the Present
Henriette Brouwers/John Malpede, Performing Artists, Amsterdam; L.A.
20.30 Beyond Participation. The Practice of Transversality
Gerald Raunig, Philosoph, eipcp, Wien
21.00 Pause
21.15 Complementary Bankruptcies: Activism and Art
Dan S. Wang, Künstler, Theoretiker, Mess Hall Keyholder, Chicago
21.45 Plenum
* Die Open Sessions an den Vormittagen ermöglichen ausführlichere Diskussionen mit den Vortragenden und zu den jeweiligen Tagesthemen. Bitte informieren sie uns, wenn sie daran teilnehmen möchten: E-Mail: zoblschneider@chello.at






